Das VFRK Derby

Es ist Samstag, 12 Uhr. Das prestigeträchtige VFRK-Derby zwischen den „Alt-Junioren“ und „Sehr-Alten-Junioren“ findet statt. Spätestens beim Betreten des Kabinen-Areals merkt man, dass es heute kein Spiel zwischen „Lollipop-Lutschern“ und „Ponyhof-Bewohnern“ geben wird.

Würde man den Testosteron-Spiegel in der Luft messen, würden die polnischen Lastwagen-Chauffeure an der Pratteln-Raststätte einer Kita gleichen. Der Altersunterschied zwischen den beiden Mannschaften ist auch akustisch unverkennbar. Während aus der Senioren-Kabine die ultimative „Bum-Bum-House-Dance-Party-Musik“ aus einem Mini-Ghetto-Blaster erklingt, singt der 40-jährige Mauro „Adesso tu“ von Eros Ramazotti, aus dem Jahre 1981, vor sich hin. Von „Sturm und Drang“ keine Spur.

Es ist 12.20h. Fast alle Senioren-Spieler sind schon auf dem Rasenplatz. Die Sache wird ernst. 2 Dreier-Teams in blauen Höschen tragen vom Spielfeldrand aus die 7m-Tore zu deren Position. Um sich einen Adrenalin-Kick zu verschaffen, klopfen gleichzeitig die Veteranen in der Kabine ein paar zynische Sprüche über den bevorstehenden Gegner. Coach Spörrdiola übernimmt das Wort.

Die Ü40-Spiel-Taktik beinhaltet im Wesentlichen folgende 2 Schwerpunkte:

  • Da die „11 wilden Dreissiger“ eher über die Mitte stürmen, soll sich die 4-er Kette hinten kompakt halten und sich nur, wenn nötig, in die Breite ausreissen lassen.
  • Das Ü40-Spiel soll hingegen durch die „Banane von hinten“ aufgebaut werden. Eine Aussage, welche die Katholiken unter uns erstarren lässt.

Es ist 13h. Vor dem Auftakt des Spiels mutiert der Schiri kurzerhand zum iphone-Fotografen und schiesst noch ein 23-VFRK-Mann-Erinnerungsfoto. Der Sennen-Sandro übernimmt dabei seine ihm zugeteilte Spielposition so ernst, dass er sich sogar auf dem Foto „Mitti Mitti“ positioniert. Siehe Foto obere Reihe, 5.ter von rechts 🙂

Anpfiff. Die ersten Bälle werden von beiden Mannschaften im Tiki-Taka-Style hin und her gekickt. Die vor dem Spiel vorgetäuschte Körpersprache der Sennen, „wir-sind-jung-und-spritzig“, entpuppt sich während der 1. Halbzeit als Blöff. Die „Fetteranen“ halten Ihre Pfunde taktisch so gut in Bewegung, dass es 35 Minuten lang 0:0 steht. Dann kurz vor Schluss der 1. Halbzeit: Fehlpass. Kollektives Einpennen. Die Sennen treffen zum 1:0. „Kake, muss das sein?“, schwirrt im Kopf der Unterlegenen.

Pause. Trainer Spörrdiola und seine 3-köpfige-Ersatzbank befördern die gelb-schwarzen-Matadores in eine schattenreiche Ecke des Spielfeldrands. Warmer Tee wird in die gewohnten Frühlings-farbigen Plastik-Becher der letzten Tupperware-Party im Jahre 1972 verteilt. Alles erholt sich. Auch der Rasen.

„Individualität“ trifft „Mannschaftsgeist“, heisst es in der Pause vom Coach und krempelt gleichzeitig die Startformation wie folgt um: Praktikant Max wechselt von hinten links nach vorne rechts. Papa-Flo übernimmt seinerseits hinten links und im Mittelfeld ersetzt Dr. Elmex alias Andi den O-beinigen Mauro.

2. Halbzeit … 43. Minute, 2:0 … 49. Minute, 3:0 … „ooops, hat das Spiel wieder begonnen?“ fragen sich mehrere Synapsen an der Kreuzung neben dem Kleinhirn von einigen Veteranen. In der 55. Minute ist es dann so weit. Wie Speedy Gonzales in seinen besten Jahren zischt Capitan Gregi rechts an der „30er-Weight-Watcher-Kur-nötigen-Abwehr“ vorbei, erhält von der linken Seite des Feldes aus eine ellipsenförmige Flanke von Papa-Flo, und als würde es kein Morgen danach mehr geben, fliegt der sonst so bodenständige CS-Banker ungebremst, wie ein Stuka-Flieger im 2. Weltkrieg, Kopf voran in die Flugbahn des Balles und platziert mit voller Wucht das schwarz-weisse Leder in das Tornetz des Gegners rein: Gooooooooal! Es steht 3:1.

Beim Stand von 4:1 folgte dann ein weiteres Highlight des Nachmittages, zumindest für „Maaaaax“! Der im Ü40-Projekt „Wohin-mit-dem-Gastarbeiter“ mittlerweile gut integrierte Praktikant, erfüllte sein Tages-Soll auch im Sturm mit einem Tor der anderen Art. Dank einer feinen Flanke von LK7 alias Laurent über den rechten Flügel schoss der Italo-Berner in der Mitte sein 2. Tor der Saison. Das Tor geschah nur wenige Meter von seiner „Lovely-Bündnerin-mit-Hund“ entfernt, so dass trotz katholischer Erziehung ein Küsschen in der Öffentlichkeit nach dem Schlusspfiff zu beobachten war. Endstand, 4:2 für die anderen.

… and the Oscar goes to …

  • „Man of the match“: Goalie Mario. 3 Glanzparaden, die den optimalen Calcium-Gehalt in seinen Knochen bestätigen.
  • „Beste Bicicletta“: Stürmer Sascha in der 34. Minute mit anschliessender Reha-Anmeldung in Bad Ragaz.
  • „Bester Kopfball übers Tor“: Der neu verliebte Moustache-Ati unter den ungarischen Augen seiner neuen Flamme.
  • „Bester Misstritt“: Lollo, mit anschliessender „Auaa-Boboli-Pflaster-gää-Bodenrolle“
  • „Bester Abwesender“: Trottmann!

Text: Goleador Mäxle 😉

2 Gedanken zu „Das VFRK Derby

  • April 13, 2017 um 8:16 am
    Permalink

    Es ist immer wieder ein „Genuss“ die Kommentare von Goleador Mäxle zu lesen und wiederspiegelt den guten Zusammenhalt im Klub. Nein, ich bin nicht Verwand mit ihm und habe für dieses Lob auch kein Geld erhalten. Als ehemaliger „Ghlayhyyniger“ durfte ich vor bald 50 Jahren als „Binggis“ beim damaligen SC Kleinhüningen zu meinem ersten Fussballtraining. Nur, die Fussballschuhe konnte ich noch nicht selbst binden, weshalb ich die Hilfe von Marcel Fleuri in Anspruch nahm.
    In der Zwischenzeit habe ich gelernt meine Schuhe zu binden und durfte sogar einmal das „Grümpeli“ auf der Schorenmatten gewinnen, was bis heute mein schönster und grösster sportlicher Erfolg war.
    Mit bald 57 Jahren, mit etwas weniger Haare, dafür mehr Bauch, spiele ich nur noch passiv-aktiv Fussball. Will heissen, ich verfolge als Zuschauer passiv den Match, „Gingge“ jedoch bei gewissen Spielsituationen sehr aktiv mit, was „däh Näbedrah“ zu, für mich, komischen Reaktionen veranlasst.
    So, „das wärs“, gern ein anderes Mal auf der „Schore“
    Dr Kugeleblitz

    Antwort
  • April 13, 2017 um 4:58 pm
    Permalink

    Weltklasse Bericht! 👏👏

    Antwort

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